Werbeagentur Hamburg

Gute Werbung braucht keine “emotionale Aufladung”. Oder: Die massive Macht des Faktischen

Werbe- und PR-Agenturen überbieten sich auf ihren Internetseiten und in sog. Imagebroschüren gerne mit ihren “Referenzen” und “Best-Practice-Cases”. Frei nach dem Motto “Mein Haus, mein Hubschrauber, mein Hybrid-SUV” zeigt man, was und wen man auf seiner Kundenliste hat (seltsamerweise gibt es deutschlandweit keine einzige Agentur, die nie für Daimler bzw. DaimlerChrysler gearbeitet hat). Garniert werden solche Überzeugungselemente mit grundlegenden Aussagen zur “Kundenorientierung” bzw.  Zitaten bedeutender Philosophen und Schriftstellern (gerne von Antoine de Saint-Exupéry, dies gilt nicht für Agenturen in Metropolen), die sich in einer Flash-Programmierung zehnsekündlich mit den übermenschlichen Kompetenzbiografien der Teammitglieder abwechseln (garniert mit mega-sympathischen Bildern, neuerdings auch gezeichnet).

Die Berliner Werbeagentur “Kommunikationsverein” wirbt anders: Mit einer klaren Absage an potentielle Kunden.

Kommunikationsverein
Quelle: Kommunikationsverein, Berlin (Website)

Mit der Aussage “Bis Oktober 2010 sind wir ausgelastet und nehmen leider keine neuen Aufträge an” wird die Kompetenz der Agentur vollkommen referenzfrei deutlich. Hier braucht es weder austauschbare Zitate als Vehikel noch vielfältige  Internetunterseiten, um die Eigenleistung der Agentur darzustellen. Allein ein schlichter Satz sorgt für Emotionen beim Leser - ein Satz, der nur einen gefühlten Rückschluss zulässt: “Die müssen aber gut sein”. Alles spricht von Rezession, der Kommunikationsverein nicht: Ausgebucht bis Sankt Nimmerlein. Sorry.

Ein origineller Lichtblick in einer uniformen Branche, deren Berufsethos sich traditionell über bunte Kreativität definiert.