Markensoziologie an der Uni Hamburg

Universität Hamburg

Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Institut für Soziologie

 

 

Die Soziologie ins Leben stellen (Markensoziologie)

Prof. Dr. Alexander Deichsel

Präsident der Ferdinand Tönnies Gesellschaft e. V. Kiel

Sommer-Semester 2015, Edmund-Siemers-Allee 1 Hörsaal -H-, Mi. 18:00 Uhr c.t.

 

Prof. Dr. Alexander Deichsel – Wissenschaftlicher Associate des Büro für Markenentwicklung
Prof. Dr. Alexander Deichsel – Wissenschaftlicher Associate des Büro für Markenentwicklung

 

 Das Soziale …

8. April 

Die Hypos und die Orgos
Warum wir das, was wir tun, eigentlich so tun, wie wir es tun

 15. April

Vom Verhalten zum Handeln
Sozialanthropologische Klarstellung zur Nachhaltigkeitsdebatte

22. April

Sitte, Vertrag und Sittlichkeit
Die dauernde Rederei unserer inneren Stimmen – die Gründe

29. April

Substanz und Gestalt
Kundschaft sucht Lei(s)tung – also bitte!

 

als wissenschaftlicher …

 6. Mai

Familie und Firma – Wie soziale Willenskörper entstehen
Ein verloren gegangener Blick auf die Metaphysik des Sozialen

13. Mai

Alles was lebt trägt ein Ziel in sich
Von der Entelechie kultureller Leistungssysteme, z. B. der Marken

20. Mai

Organische Körper und ihre mechanische Durchsetzung
Der Markt ist nicht nur Bedingung – er ist vor allem Ergebnis

3. Juni

Ordnung und Größe
Warum das Optimieren mehr bringt als das Maximieren

10. Juni

Die Funktion von Grenze
Nein-Sagen stärkt – warum?

… Gegenstand

17. Juni

1953 – Aufstand in Berlin
Berthold Brecht: Die Regierung sollte sich ein neues Volk wählen
Das Verhältnis von Volk und Staat – nicht nur in Europa

24. Juni

Der unsichtbare Gerichtshof
Die ökonomische Funktion der Ö-ffentlichen Meinung

1. Juli

Gastvorlesung:
Prof. Dr. Timm Homann/Dr. Oliver Carlo Errichiello/Dr. Arnd Zschiesche
Soziologie – die Lehre vom Leben
Anschließend lädt Markentechnik Alumni zu einer Feierstunde

8. Juli

1789 – der Juli in Paris und seine Gegenwart in der Globalisierung
Das soziale Paradox der Menschenrechte

 

Zu Aufgaben und Zielen

Jede Wissenschaft hat ihren Gegenstand – für die Wissenschaft vom Sozialen ist es das Soziale. Es entsteht mit dem Menschen. Durch ihn entfaltet sich das tierische Verhalten zu menschlichem Handeln, er ergänzt das Instinktgebundene durch reiche Geistesgestaltungen. Dazu braucht es gegenseitiges Fördern, unterstützendes Wollen, bewusstes   Bejahen. Die sich herausbildenden Willenskräfte der neuartigen Besiedler beziehen sich nun positiv und negativ aufeinander – allein die positiven Willensbeziehungen sind der Gegenstand der Soziologie. Das Soziale muss gewollt werden, sonst ist es nicht.

Wenn Menschen etwas gemeinsam Wollen – Zusammenleben oder Zusammenwirken – wenden sie sich, im übertragenen Sinne, das Gesicht zu und also dem Rest der Welt den Rücken. Auf diese Weise entsteht ein feinstofflicher, ein inhaltlich gleichgerichteter , unausweichlich individueller Willenskörper – eine Familie, eine Firma, eine Sitte, ein Vertrag, eine Sprache, eine Mörderbande, ein Verkehrsverbund, ein Green Peace, eine UNO. Mit diesem Konzept des Sozialen ausgestattet, entdeckt der Experte unendlich zahlreiche Sozialkörper. Wenn ihn auch zuvörderst die Motive der Zusammenhandelnden nicht interessieren, so kann er doch die innere Konsistenz eines Körpers erkennen, kann also etwas aussagen über dessen Lebensdauer. So zeigt sich die Soziologie als prognostische Wissenschaft.

Die Vorlesung führt ein in die unendlich lebendige Gestaltenwelt des Sozialen. Sie zeigt die jeweils individuelle Tektonik dieser Körper im privaten, wirtschaftlichen, politischen und geistigen Leben. Die Konsistenz dieser Körper zu erkennen und ggf. zu erhöhen ist Aufgabenfeld der Soziologie; wie man sie aufbaut, wie man sie führen muss, um sie kraftvoll zu erhalten soll gelernt werden; sie zeigt, warum die einen ewig, die anderen Eintagsfliegen sind. Es wird verständlich, warum das deutsche Volk im 20. Jahrhundert acht unterschiedliche Staatsformen ausprobiert hat, warum die soziale Frage eine Aufgabenstellung der Soziologie ist und warum der Generalsekretär der Vereinten Nationen so hastig aber hilflos um die Erde fliegt. Die Wissenschaft des Sozialen beschreibt nicht nur, sie führt Leistungen und also Konflikte auf zureichende Gründe zurück , bindet Kontingentes an substanzielles und koppelt die Physik an die Metaphysik des Sozialen. Die Vorlesung wird wiederum Gäste begrüßen, ist stadtöffentlich und bietet die Gelegenheit, credit points durch eine schriftliche Hausarbeit zu erwerben.

 

Zu den Gästen

Dr. phil. Oliver Carlo Errichiello, Büro für Markenentwicklung, Hamburg; Geschäftsführer

Prof. Dr. Timm Homann, CEO bei Ernsting’s family GmbH & Co. KG, Coesfeld-Lette; Vizepräsident des Handelsverband Deutschland;, Professor an der Hochschule Bremen, School of International Business (SIB)

Dr. phil. Arnd Zschiesche, Büro für Markenentwicklung, Hamburg; Geschäftsführer

 

 Zur Literatur – chron.

Alexander Deichsel, 1987, Von Tönnies her gedacht, Soziologische Skizzen; Hamburg

Timm Homann, 2000, Gestaltleistung und Systemleistung
Die Marke als Instanz der strategischen Unternehmensführung.
Ein Beitrag zur markentechnischen
Führungslehre; Hamburg

Alexander Deichsel,2006, Markensoziologie, 2. erw. Auflg.; FaM

Uwe Carstens, 2013, Ferdinand Tönnies – Friese und Weltbürger; Eine Biographie, 2. erw. Auflg.; Bredstedt

Arnd Zschiesche, Oliver Carlo Errichiello, 2013, Marke ohne Mythos; Offenbach

 

> Weitere Literatur in den angegebenen Büchern.

 

 

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