Homo oeconomicus – Die selbstgewollte Unmündigkeit

In zahlreichen Überlegungen zum Konsumenten wird vor allem seine Mündigkeit hervorgehoben. Als homo oeconomicus ist er der souverän überIegende Marktteilnehmer, der Leistungen prüft, Preise vergleicht und nach abgewogenem Preis-Leistungsverhältnis seine Kaufentscheidung trifft. Diese Betrachtung zeigt einen völlig verunsicherten Marktteilnehmer.

Ständig ist er in höchster Alarmbereitschaft. Prüfen strengt an, auch schon wegen des Umherlaufend und Surfens. Aus Zeitgründen  nicht in der Lage, universale Warenkenntnis zu erlangen oder sich diese im Hinblick auf auch nur ein bestimmtes Produkt zu verschaffen, verdächtigt er jede seiner Kaufentscheidungen der Zufälligkeit. Werbung erhöht diese Unsicherheit noch, denn deren uninformative Heftigkeit soll ja zum situativen Zugriff veranlassen als Schnäppchenjäger hat sich diese Figur zum unsichersten Marktanheizer gemausert.

Plündernd zieht er umher, nie ist er sicher, ob sich die gerade gekaufte Leistung nicht einige Websites weiter oder morgen doch noch billiger anbietet. Der smart shoppen ist in Wahrheit der ewige Verpasser.

Verlässlichkeit ist gefragt

So kann auf Dauer niemand sein Leben führen. Denn jeder sucht nach Ordnung in den eigenen vier Wänden, in der Familie, bei den Freunden, im Beruf und — vor allem — bei den Dingen und Diensten. Nicht weil er konservativ und langweilig ist, sondern weil Ordnung befreit — vom dauernden Abwägen, Entscheiden und Zweifeln. Unsere Sinne stellen Fragen an die Dinge und es entlastet uns, wenn wir in einer gewohnten Weise antworten können. Vertrauen entsteht durch Vertrautes und die Zusageverlässlichkeit der Waren ist die Bedingung für einen funktionierenden Alltag. Verlässlichkeit macht frei — frei zu täglichen kleinen oder wichtigen Plänen und Entwürfen.
Billigatmosphäre und Preisradau machen unsicher.

Hier zeigt sich die Aufgabenstellung des verantwortlichen Unternehmers. Denn fast alle Dinge und Dienste müssen heute gekauft werden. Es gilt also, dem Konsumenten etwas zu bieten, wonach er sucht — selbstgewollte Unmündigkeit. Ein treuer Kunde hat sich, bezogen auf eine jeweils bestimmte
einzelne Leistung, aus der Kampfstellung des bösen Verdachts und angestrengten Prüfens zurückgezogen in die Sicherheit einer heiteren Betrugslosigkeit. Sie entsteht durch das Markengeschäft. Die Marke ist in
ihrem stillen Leistungsernst jene Kraft, die stets das Seriöse will und dadurch Gutes schafft — sowohl für das Unternehmen als auch für die Gemeinschaft.

Markenversprechen sicherer machen

Sicherlich ist das harte Arbeit, diszipliniert geführte Sortimente, solide Preissteilung und an vielen Fronten entschlossenes Durchsetzen der eigenen Wertklasse einem Handel gegenüber im Tagesgeschäft zu realisieren. Denn wohlgemerkt: diese Unmündigkeit ist selbst-gewollt! Bei Irritation taucht die Mündigkeit wieder auf. Wie durch ein U-Boot-Periskop sucht der Enttäuschte dann nach dem Wettbewerber und verlässt die unsicher gewordenen Gewässer. Bewusste Unmündigkeit weicht erneut der gehetzten Ungewissheit für den undisziplinierten Markenverantwortlichen
ist das teuer. Dabei hat er es in der Hand: er bietet mit seinem kulturellen Leistungskörper Marke Sicherheit, das höchste ökonomische Erfolgsinstrument des Unternehmens. Also: warum nicht heute mit einem
Detail beginnen, das Markenversprechen für den Konsumenten durchgängig sicherer zu machen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.